• Maik Marten

Weniger Demokratie, mehr Innovation?




Mit der Digitalisierung der Wirtschaft und dem Kampf um Innovationsfähigkeit rückt das Thema Mitbestimmung von Mitarbeitern wieder stärker in den Fokus. Die Annahme: Je demokratischer Unternehmen aufgestellt sind, um so innovativer sind sie auch.


Das leuchtet ein. Demokratie in Unternehmen bedeutet, dass alle Mitarbeiter gefragt sind, ihre Ideen, Meinungen und Visionen einzubringen. Mehr Köpfe, mehr Ideen.


Demokratie bedeutet aber auch, dass Mitarbeiter an möglichst vielen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Genau dort deutet sich aber ein Problem an. Ein zu viel an Demokratie kann innovationshemmend sein: Viele Innovationen sind am Anfang sensible Gewächse. Sie entstehen spontan, treten undeutlich hervor und sind wage. Macher Einfall mag sogar verrückt und völlig abwegig klingen, sodass nicht einmal derjenige von ihr überzeugt ist, der die Idee hatte. Zudem muss sich jede neue Idee auch gegenüber anderen, konkurrierenden Innovationen behaupten, die bereits Zustimmung erfuhren und mit Ressourcen ausgestattet sind. Was würde passieren, wenn bereits in dieser Phase über das weitere Schicksal der Idee mehrheitlich oder von oben herab entschieden würde? Die Idee würde wie eine zarte, noch haltlose Pflanze unter dem Druck der Mehrheit wegknicken.


Sinnvoller ist daher eine Form der iterativen Kollegialität: Neue Innovationen werden dort wo sie entstehen durch ein Kollektiv vorangetrieben. Dabei sollte es dem Initiator der Idee zunächst möglich sein seine Idee, unabhängig und eigenverantwortlich, ohne konkrete Erwartungshaltungen seitens des Managements und Kollektivs, zu entwickeln. Anstatt andere entscheiden zu lassen, entwickelt er seine Idee und zieht nach eigenem Ermessen relevante Kollegen zur Konsultation hinzu. Im späteren Verlauf bittet er übergeordnete Mitarbeiter um Einwände oder Vetos. Auf dieser Basis entwickelt er sukzessiv seine Idee weiter, lässt sie unter seiner Obhut wachsen und zieht immer größere Kreise unter seinen Kollegen oder Kunden, um für seine Innovation Begeisterung zu wecken.


Innovationen, die auf diese Art und Weise gedeihen können, haben bessere Chancen sich der Mehrheit der Mitarbeiter, dem Management und schließlich den Kunden zu stellen.


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