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Nonkonform

Aktualisiert: 22. März 2023

Noch immer legen viele Unternehmen übermäßig viel Welt auf Konformität. Sie suchen nach Mitarbeitern, die sich möglichst schnell und gut in die bestehende Unternehmenskultur einreihen.



Ein anderes Wort für Konformität ist Gesellschaftsfähigkeit. Damit wir in einer Gesellschaft zusammenleben können (in einem Land, innerhalb unserer Nachbarschaft, in der Schule, im Sportverein, der Partei, auf der Arbeit), müssen wir füreinander berechenbar sein. Nur wenn das Verhalten meines Gegenübers halbwegs verlässlich, unbedenklich und glaubhaft ist, kann ich mich auf ihn verlassen, kann ich mich auf ihn einlassen. Unternehmen sind ausgesprochene Zweckgemeinschaften. Sie existieren nur, weil sie ganz bestimmte Ziele verfolgen. Daher entwickeln Unternehmen auch das starke Bedürfnis, ihre Organisation aus Mitgliedern aufzubauen, die willens sind, dieses System und deren Machtverhältnisse möglichst widerstandslos zu akzeptieren. Am Ausmaß ihrer Anpassungsfähigkeit lässt sich für die Mächtigen erkennen, inwieweit ihre Untergebenen bereit sind, die Ziele und Absichten der Unternehmen und ihrer Vertreter mitzuverfolgen. Der Wunsch nach Konsens und Harmonie ist also nachvollziehbar. Wer möchte nicht, dass sich alle untereinander verstehen und respektieren. Richten sich die Interessen und Wünsche der einzelnen MitarbeiterInnen auf die Ziele des Unternehmens aus, dient es am Ende allen gleichermaßen. Nicht weniger hatte William Ouchi mit seiner Theory Z aus dem Jahr 1981 nachzeichnen wollen. Japanische Unternehmen sind deshalb so erfolgreich, weil sie der Gruppe eine wesentlich höhere Bedeutung beimessen als den Befindlichkeiten des einzelnen Individuums.

Konformität ist also ein unverzichtbarer Bestandteil unseres gemeinschaftlichen Lebens. Aber sie ist dummerweise auch der Gegenspieler von Kreativität und Schöpfergeist. Michael Andrick sagt, dass "Konformität nicht auf Wirklichkeit und das Schöpferische hinaus will, sondern auf Formeln und Gewohnheit". Der Konformität steht das Eigensinnige, Anders- und Querdenkende konträr gegenüber. In dem Wunsch eine einheitliche Unternehmenskultur und ein gemeinsames Wertesystem zu verankern, übertreiben es Unternehmen und schränken auf diese Weise Diversität und Kreativität ein. Oversocialization nennt man dieses Phänomen. Mittlerweile weiß man, dass Kreativität und Innovationsfähigkeit rapide ansteigen, je heterogener Gruppen und je größer die Kreise sind, in denen Informationen zwischen Einzelnen und Gruppen ausgetauscht werden. Mit Vielfalt (in diesem Zusammenhang häufig auch als Heterogenität bezeichnet) meine ich nicht nur Geschlecht, Alter, Beruf, Hautfarbe, Herkunft und Sprache, sondern vor allen Dingen eine geistige Divergenz; ein möglichst breites Spektrum unterschiedlich tickender Menschen. Vielleicht spricht man in Abgrenzung zum Begriff Vielfalt auch besser von Andersartigkeit. Während Vielfalt einem heute beinahe ohne weiteres Zutun zufällt (heterogener, internationaler Arbeitsmarkt), fällt Unternehmen die Akzeptanz von Andersartigkeit oft noch sehr schwer. Demografische und sprachliche Unterschiede sind für sie leichter zu tolerieren als abweichende Meinungen und Haltungen. Dabei ist es sehr wichtig, dem Drang nach Konformität und Konsens zu widerstehen und Andersartigkeit auszuhalten.

Und auch hier spielt wieder der Raum eine wesentliche Rolle: Es gilt vom Üblichen abzuweichen und das Außergewöhnliche zu fördern. ....



 

Auszug aus dem Sachbuch: VON ALTEN UND NEUEN BÜROWELTEN - Wie das Büro zu einem Ort kreativer Zusammenarbeit wird


Autor:

Maik Marten


als eBook u.a. bei:



als Soft Cover:

ISBN 978-3754128268

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